Lebenselixier Wasser
Bäder und Güsse als Heilmittel
- Die uralte Kunst des Badens
- Wie funktionieren Wasseranwendungen?
- Welches Bad, welcher Guss hilft?
- Tipps für die Badekur zu Hause
Zu allen Zeiten verehrten die Menschen das Wasser. Wasser reinigt nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Die kultischen Rituale vieler Waschungen zeugen davon. Wasser ist unser Lebenselixier und das älteste Heilmittel. Alles Leben begann vor Millionen von Jahren im Urmeer.
Früher und heute
Bäder, Brunnen, Flüsse, Seen und Quellen spielen in vielen Sagen und Märchen eine zentrale Rolle. Ebenso die darin vorkommenden göttlichen Wesen in menschlicher Gestalt. Bei den Germanen waren es die Nixen, bei den Galliern die Undinen, bei den Slawen die Rusalken, bei den Griechen die Nymphen, bei den Römern die Najaden und, wenn sie an Quellen in Höhlen lebten, die Sibyllen.
Die Griechen führten die Römer in den Genuss und die Kunst des Badens ein. Die Legionäre brachten die Badekultur mit über die Alpen. Überall, wo Quellen sprudelten, entstanden Badeorte. Allein in Deutschland sind es noch heute rund 250 anerkannte „Bäder“. Viele Anwendungen basieren auf der balneologischen Tradition der Römer. Dabei geht es nicht nur um Wellness, sondern auch um Heilung und Vorsorge.
Sie müssen aber nicht zu einer Badekur fahren, um die vorbeugende und heilende Wirkung des Wassers zu nutzen. Vieles geht auch zu Hause. Wirkungsvoll und wohltuend sind ätherische Öle in der Badewanne. Ein kurzes heißes oder kaltes Bad regt an, ein warmes Bad entspannt. Um Hautreizungen zu vermeiden, sollten ätherische Öle vorher mit Sahne oder Milch gemischt werden. Ein Badesalz kann hergestellt werden, wenn Bittersalz (Magnesiumsulfat) oder Salz aus dem Toten Meer mit einigen Tropfen eines ätherischen Öls angereichert werden.
Wie funktionieren Wasseranwendungen?
Mit äußeren Wasseranwendungen machen Sie sich vier Effekte zunutze:
Thermische Reize:
Kalt / heiß, egal ob Bad, Waschung, Guss, Wickel oder Dampf.
Physikalische Reize:
Durch den Druck des Wassers auf den Körper und durch den Auftrieb.
Chemische Reize:
Durch Übertragung von im Wasser gelösten Inhaltsstoffen.
Hydroelektrische Reize:
In Form von Stangen- oder Vierzellenbädern (wird nur bei der ärztlich überwachten Badekur angewendet).
Tipps für die Badekur zu Hause
Für die Selbstbehandlung geeignet sind Bäder, Güsse, Teilgüsse, Waschungen, Dämpfe, Wickel und das bekannte Wassertreten nach Kneipp.
Achtung:
Alle Bäder nur nach Absprache mit Ihrem Arzt durchführen, wenn Sie herzkrank sind oder einen schwachen Kreislauf haben. Warme Bäder nie bei Venenerkrankungen!
Badezusätze
Badezusätze wählen Sie je nach dem gewünschten Effekt. Nach sportlicher Betätigung empfiehlt sich Salz aus dem Toten Meer, denn es entkrampft die Muskeln und beugt Muskelkater vor. Die Haut anschließend gut abduschen und pflegen. Weitere Tipps für geeignete Badezusätze finden Sie auch in unserem Beitrag über die „Düfte für die Hausapotheke“.
Ätherische Öle aus Hopfen und Melisse wirken beruhigend auf die Nerven. Den Badewonnen mit verschiedenen Zusätzen bis hin zu Orangenblüten und „Kleopatras Eselsmilch“ sind dank eines großen Marktangebotes keine Grenzen gesetzt. Sie können die Eselsmilch gut mit Milchpulver für Babys nachahmen: 100 g auflösen und in eine gefüllte Badewanne geben.
Bei einem Guss ist der Wasserstrahl „gebunden“ (nicht brausen), denn es geht bei den meisten Güssen nicht um den mechanischen Reiz, sondern den Temperaturreiz. Die richtige Druckstärke ist erreicht, wenn der Wasserstrahl bei senkrechter Haltung des Gießhandstücks etwa eine Handbreit aus dem Aufsatz sprudelt. Bei Wechselgüssen soll der Warmwasserguss 1 bis 2 Minuten dauern, der Kaltwasserguss ca. 20 Sekunden. Begonnen wird immer mit warmem Wasser, beendet immer mit kaltem Wasser.
Eine Auswahl an Bädern
Das Armbad
Ansteigendes Armbad
Hilft bei:
Angina pectoris, Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Herzinfarktpatienten müssen ihren Arzt fragen!), Bluthochdruck, Asthma, Erkältungen, Durchblutungsstörungen in den Beinen, rheumatischen Beschwerden, gefäßbedingten Kopfschmerzen.
Nicht anwenden bei:
Lymphstau, Lymphödem, Lähmungen, Venenleiden in den Armen.
Ein kaltes Armbad
Hilft bei:
Müdigkeit, Abgespanntheit, Erschöpfung.
Nicht anwenden bei:
Angina pectoris und organischen Herzkrankheiten.
Warmes Armbad
Hilft bei:
Rheumaknoten, Arthrose in den Händen.
Nicht anwenden bei:
Lymphstau, Lymphödem im Arm, Bluthochdruck, Gefäßkrämpfen, Herzerkrankungen.
Das Wechselarmbad
Hilft bei:
Durchblutungsstörungen in den Armen und Händen, bei Erschöpfung und Kopfschmerzen, niedrigem Blutdruck, Wachstumsstörungen der Fingernägel und Ekzemen.
Nicht anwenden bei:
Herzerkrankungen mit Herz-Enge (Angina pectoris), Lymphödem, Lymphstau, Gefäßkrämpfen, Kälte- und Wärmeallergien.
Das Fußbad
Ansteigendes Fußbad
Hilft bei:
Beginnenden Erkältungen.
Nicht anwenden bei:
Herz-Kreislaufbeschwerden, Venenleiden. Bei Schwindelgefühl und Ermüdung sofort abbrechen.
Kaltes Fußbad
Hilft bei:
Kopfschmerzen, Einschlafstörungen, Überhitzungszuständen, Krampfaderleiden und als Sofortmaßnahme bei Zerrungen und Prellungen, nach langen Fußmärschen.
Nicht anwenden bei:
Herzschwäche, Harnwegsinfektionen, Ischiasbeschwerden, Krämpfen und Durchblutungsstörungen in den Beinen, kalten Füßen.
Warmes Fußbad
Hilft bei:
Infekten im Nieren-, Blasenbereich, fördert das Einschlafen für alle, die zu kalten Füßen neigen und beruhigt die Nerven.
Nicht anwenden bei:
Bluthochdruck, Venenleiden.
Das Wechselfußbad
Hilft bei:
chronisch kalten Füßen, niedrigem Blutdruck, chronischen Erkältungen, bei Infekten der Nasennebenhöhlen, Kopfschmerzen und Einschlafstörungen.
Nicht anwenden bei:
Gefäßkrämpfen, schweren Durchblutungsstörungen, Nerven- und Venenentzündungen.
Das Halb- bzw. Sitzbad
Halbbad
Das Wasser reicht nur bis in Hüfthöhe. Das Bad ist nicht so anstrengend wie ein Vollbad und deshalb für alle, die einen schwachen Kreislauf haben.
Hilft bei:
fiebrigen, aber fröstelnden Patienten. Mit speziellen Zusätzen gegen Beschwerden im Unterleib, Hämorrhoiden, Analfissuren und -ekzemen, Blasenentzündung, Prostatabeschwerden, Schuppenflechte.
Nicht anwenden bei:
geschwächtem Allgemeinzustand, Stauungen und Entzündungen in den Beinen.
Temperaturansteigendes Sitzbad
Hilft bei:
Verstopfung, Krämpfen in Darm oder Nierengegend, Harnleitersteinen, Harnblasenentzündung, Entzündung der Prostata und Menstruationsbeschwerden.
Nicht anwenden bei:
Herzschwäche!
Wechselsitzbad
Kann nur mit zwei Sitzbadewannen durchgeführt werden und hilft bei Verstopfung, Blähungen und den typischen Beschwerden der Wechseljahre.
Das Vollbad
Hilft bei:
Erschöpfung durch Stress, beginnender Erkältung, Verkrampfung der Muskulatur, Einschlafstörungen, Abnutzungserscheinungen der Gelenke und Wirbelsäule.
Nicht anwenden bei:
Entzündungen der Haut, Krampfadern, Herzschwäche, niedrigem Blutdruck. Ein Vollbad sofort bei Schwindelgefühl, Übelkeit, Herzklopfen abbrechen. Nie nach dem Essen baden!
Ein Vollbad hat ca. 38 Grad Celsius und dauert nicht länger als 20 Minuten.

Eine Auswahl an Güssen
Der kalter Knieguss
Hilft bei:
Kopfschmerzen, leichten Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Hitzegefühl.
Nicht anwenden bei:
Ischias-Schmerzen, Menstruation und Harnweginfekten.
Der kalte Schenkelguss
Hilft bei:
Krampfadern, leichten Durchblutungsstörungen in den Beinen, Nervosität, Reizbarkeit, Erschöpfung, Depressionen, erhöhtem Blutdruck.
Nicht anwenden bei:
Ischias-Schmerzen, Menstruation, Harnweginfekten.
Der kalte Unterguss
Hilft bei:
Stauungszuständen im Magen, im Dickdarm, in Leber und Bauchspeicheldrüse.
Nicht anwenden bei:
Entzündungen der inneren Organe und Harnwege, Menstruation, schweren Durchblutungsstörungen.
Ein Wechselarmguss
Hilft bei:
Konzentrationsschwäche, Erschöpfung und niedrigem Blutdruck.
Nicht anwenden bei:
Verkrampfung, Herzschwäche, schweren Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose, Arterienverkalkung,
Ein Wechselknie- und Schenkelguss
Hilft bei:
Kopfschmerzen, erhöhtem Blutdruck, leichten Durchblutungsstörungen, Nervosität und Hitzegefühl.
Nicht anwenden bei:
Ischias-Schmerzen, Krampfadern, niedrigem Blutdruck, Menstruation.
Die Wechseldusche
Hilft bei:
Nervosität, Infektanfälligkeit, Einschlafstörungen, Depressionen und Abgeschlagenheit.
Regt den Kreislauf und den Stoffwechsel an und ist für alle „Morgenmuffel“ geeignet.
Nicht anwenden bei:
niedrigem Blutdruck und nicht zu lange warm duschen. Duschen abbrechen bei Schwindel, Unwohlsein, Herz-Kreislaufproblemen.

Die Atmosphäre im Badezimmer
Das Home Spa – wie das Badezimmer heute so schön heißt – sollte für Sie eine Atmosphäre schaffen, die Sie entspannt. Wenn Sie sich wohlfühlen wird der Erfolg der kleinen Badekur besser erreicht. Hängen Sie ein Schild an die Tür:
„Störungsfreie Badezeit!“
Um eine erholsame Atmosphäre zu schaffen, sollte das Bad aufgeräumt und ordentlich sein. Verstauen Sie alle Utensilien in Regalen, Körben und Schränken, gern aus Naturmaterialien.
Die Beleuchtung sollte gedimmt sein. Bitte kein Neonlicht! Kerzen oder LED-Kerzen mit warmem Licht helfen bei der Entspannung und Konzentration auf das wesentliche Ziel des Bades oder des Gusses.
Wenn Sie Güsse durchführen, müssen Sie sich konzentrieren.
Bei Bädern, speziell einem Vollbad, darf auch leise Musik laufen, die die Alphawellen im Gehirn stimuliert.
Weiche Handtücher nach allen Anwendungen und eine gute Hautpflege im Anschluss sind gut für Muskeln und Ihre Entspannung.
Bei Bädern setzen Sie jeweils einen Esslöffel Natron zu. Das Wasser wird schön weich. Badezusätze je nach Ziel, Lust und Laune.

Artikel geschrieben von Karin Springefeld






