Massagen
Wird die älteste Heilmethode heute zum Luxus?
Warum werden Massagen wieder interessant?
Emotionen in Körperbereichen
Massagen stärken das Immunsystem und lösen Blockaden
Welche Massagearten für welche Verspannung?

Jeder verbindet mit dem Wort „Massage“ bestimmte Vorstellungen. Für den einen gehen hinkende oder im Nacken versteifte Leute zum Masseur in medizinischen Räumlichkeiten, für den anderen liegt eine gutaussehende amerikanische Geschäftsfrau auf einer Luxusliege und wird von einem jungen Mann in ihrem Büro massiert. Der nächste stellt sich eine erotische Situation vor, der oder die vierte denkt an ihr schreiendes Baby, das mit Streicheln noch immer zu beruhigen war. Nichts davon ist unzutreffend.
Massage ist die älteste und bekannteste Heilkunst. Die verschiedenen Arten der Berührungsbehandlung gehörten im Orient schon vor 3000 Jahren sowohl zum Familienleben als auch zu heilenden Behandlungsverfahren. Die Wechselbeziehung zwischen Körper, Seele und Geist war anerkannt.
Auch in Griechenland und Rom wurden Massagen von den Ärzten zur Linderung von Schmerzen und zur Heilung eingesetzt. Im Mittelalter wurde leider alles Körperliche unterdrückt. Erst im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Renaissance, wurden Massagen wieder in das Behandlungsprogramm aufgenommen.
Der französische Arzt Ambroise Paré war mit Massagen so erfolgreich, dass er Hofarzt von vier französischen Königen wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts bereiste der schwedische Heilgymnast Per Henrik Ling China und erlernte einige Massagetechniken. In Kombination mit seinem Wissen über Gymnastik und Philosophie entstand so die „Schwedische Massage“, die als klassische Massage westlicher Tradition bis heute besteht.
Der Unterschied zwischen westlicher und östlicher Tradition
Die westliche Tradition basiert auf einem mechanistischen System, Bänder, Muskeln und Gelenke müssen wieder gut funktionieren; die östliche Tradition basiert auf der Vorstellung, dass in einem gesunden Körper alle Säfte ungehindert fließen müssen. Aus beiden Systemen haben sich Mischformen entwickelt, die sich gern „ganzheitliche Massage“ nennen.
Warum werden Massagen wieder interessant?
Sicher nicht deshalb, weil sie nur noch ganz selten von den Ärzten verschrieben werden. Lieber verschreiben sie aus Kostengründen sechs Gymnastikstunden. Sicher auch nicht, weil die Masseure gegen dieses neue Verschreibungsverhalten Sturm laufen. Ihr sicheres „Rezepte-Einkommen“ ist dahin, und sie jammern vielleicht zu Recht, aber sie sollten sich lieber um neue Kunden bemühen, die privat bezahlen, statt ihre Energien gegen Krankenkassen und die Ärzte zu verschleißen.
Das erreichen sie aber nicht, wenn Räume von Neonlicht durchflutet werden und hygienisch, medizinisch riechen. Auch die Öffnungszeiten müssen sich an der Freizeit orientieren, das heißt bis 22.00 Uhr und samstags und sonntags. Da wäre noch viel zu tun, liebe Masseure.
Der wirkliche Grund für das wachsende Interesse am Thema Massage, scheint ein Trend im sozialen und wirtschaftlichen Umfeld zu sein. Arbeits- und Lebensbedingungen erzeugen verstärkt Leistungsdruck, entfremden die Menschen einander, industrielle Arbeitsplätze in Büro und Fabrik führen zu einseitigen körperlichen Belastungen, kurzum: chronischer Stress bringt das körperliche Gleichgewicht aus der Balance.
Tore zur Veränderung
In Krisenzeiten, die östliche Medizin nennt sie „Tore zur Veränderung“, können wir besonders intensiv unsere Kondition verbessern oder auch verschlechtern, je nachdem wie wir in dieser Zeit leben. Im Moment haben wir mit Sicherheit eine gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Krisenzeit, die jeden verschieden stark belastet. Außerdem gibt es natürliche Krisenzeiten wie Pubertät, Schwangerschaft oder die Wechseljahre, und es gibt unvorhersehbare Krisenzeiten, wie zum Beispiel Unfälle, Verlust eines Angehörigen oder des Arbeitsplatzes.
In diesen Zeiten ist das Bedürfnis nach Berührung besonders hoch und die Berührungsbehandlungen helfen, weil sie Spannungen sofort abbauen. Jede Massage – egal welche Technik eingesetzt wird – zielt auf die Aktivierung der Selbstheilungskräfte.
Die Schulmedizin erkennt heute an, dass negativer Stress die Ursache für mehr als siebzig Prozent aller Erkrankungen ist. Der Körper speichert alle ungelösten und unterdrückten Gefühle. Dabei gibt es jeweils sehr individuell bestimmte Gebiete für die „Blockierungen“.
Bereits Wilhelm Reich, ein Schüler Freuds, sah die Haltung eines Menschen als wichtigstes Ausdruckmittel innerer Spannungen an. Zum Beispiel deuten hochgezogene Schultern auf Furcht und Abwehr hin. Emotionales Wohlbefinden drückte sich für Reich dagegen in körperlicher Anmut aus. Dieses Modell entwickelte die Amerikanerin Louise Hay weiter und erstellte eine Liste der Emotionen, die in bestimmten Körperbereichen blockiert werden.
Louise Hays Übersicht
Geistig/emotionale Ursachen für Verspannungen
Körperteil und mögliche Ursache
Kopf
Der Kopf spiegelt uns selbst wider. Ist hier etwas nicht in Ordnung, dann fühlen wir, dass mit uns etwas nicht stimmt.
Nacken
Der Nacken spiegelt unsere Fähigkeit zum flexiblen Denken wider. Spannung hier deutet auf eine Halsstarrigkeit in einer bestimmten Angelegenheit hin.
Rachen
Der Rachen spiegelt unsere Fähigkeit wider, für uns selbst zu sprechen, unsere Meinungen und Wünsche zu äußern. Erkrankungen bedeuten, dass wir dazu nicht in der Lage sind.
Arme
Mit den Armen speichern wir Lebenserfahrungen. Wir speichern alte Emotionen in unseren Gelenken. Und die Ellenbogen spiegeln unsere Fähigkeit wider, die Richtung zu ändern.
Hände
Die Hände greifen, halten fest und klammern. Greifende Hände kommen von Angst, der Angst vor Verlust, der Angst, niemals genug zu bekommen. In festklammernde Hände kann nichts Neues mehr hineingelangen.
Rücken
Der Rücken ist System des Rückhaltes. Rückenbeschwerden bedeuten im Allgemeinen, dass wir einen Mangel an Rückhalt empfinden. Im oberen Rücken schlägt sich ein Mangel an emotionaler Unterstützung nieder, der mittlere Rücken steht in Verbindung mit Schuldgefühlen, und der untere Rücken ist mit materieller Sicherheit verbunden.
Magen
Im Magen werden all unsere neuen Ideen und Erfahrungen verarbeitet. Wer oder was liegt Ihnen im Magen? Magenbeschwerden bedeuten gewöhnlich, dass wir uns fürchten.
Beine
Unsere Beine tragen uns im Leben voran. Beinbeschwerden deuten auf die Angst hin, nach vorn zu streben, oder auf das Widerstreben, sich überhaupt in eine bestimmte Richtung zu bewegen.
Knie
Die Knie haben mit Flexibilität zu tun. Oftmals, wenn wir nach vorn streben, fürchten wir uns davor, in die Knie gehen zu müssen, und werden unbeweglich. Das macht die Gelenke steif. Wir wollen weiter nach vorn kommen, jedoch nicht unseren Weg ändern.
Quelle: Das große Massage Handbuch, Mosaik Verlag, München;
Wie wirkt eine Massage?
Eine gute Massage wirkt auf allen Ebenen. Also auf körperlicher, auf seelischer und auf geistiger Ebene. Sie entspannt die Muskeln, dehnt die verbindenden Gelenkgewebe, unterstützt den Blutkreislauf und den Lymphfluss. Schlacken werden abtransportiert, Gifte entsorgt. „Blockierungen“, die oft eingeschlossene Emotionen sind, werden beseitigt.
Seelisch lösen sich Anspannung und Angst. Wenn wir in festgefahrenen Denkbahnen hängen, führt die Massage wieder zu Gleichgewicht und Harmonie; sie verhilft uns zu neuen optimistischen Denkansichten und einer positiveren Sicht der Probleme. Im wahrsten Sinne des Wortes verhilft eine Massage zu einer gelösteren Lebenseinstellung.
Aus wissenschaftlichen Untersuchungen geht hervor, dass regelmäßige Massage das Immunsystem stärkt und so zu einer verbesserten Reaktion auf Stress führt. Während der tiefen Entspannung, in dem sich der Körper in einem behaglichen Ruhezustand befindet, werden Endorphine (Hormone) produziert, die schmerzlindernd wirken und ein Gefühl der Zufriedenheit bis zur Euphorie erzeugen. Der Bedeutung der Massage nicht nur als therapeutische Methode, sondern auch als prophylaktische lebensbejahende Methode wird in heutiger Zeit immer deutlicher.
Sie können den Erfolg einer Massage noch unterstützen: Atmen Sie jeweils zu dem Körperbereich, der gerade massiert wird, hin. Stellen Sie sich im Zusammenhang mit der Körperstelle oder einem bestimmten Organ Farben vor. Zum Beispiel Gelborange: wirkt wärmend und anregend, Blau kühlt, oder Violett beruhigt.
Worauf müssen Sie achten?
Einen guten Masseur (meistens sind es Männer) zu finden, ist nicht einfach. Das Verhältnis zwischen Masseur und Kundin (meistens sind es Frauen) ist sehr vertrauensvoll. Sie lassen ihn schließlich sehr nah an ihren Körper, ihre Seele, ihren Geist. Für viele wird er auch zum Gesprächstherapeuten.
In den üblichen Massagepraxen werden häufig nur die klassische Massage oder die punktuellen Massagen zur Wiederherstellung angeboten. Man „wartet“ auf Rezeptkunden und hat den neuen Markt scheinbar noch nicht erkannt oder kann sich einfach nicht um Kunden bemühen. Die Ausbildung dieser Masseure ist allerdings sehr gut, dauert über zwei Jahre und endet mit einer Prüfung. Dieses hohe Niveau treffen Sie bei manchen alternativen Therapien nicht an, denn nach einem Lehrgang darf jeder solche Massagen ausüben und anbieten.
Die besten Möglichkeiten bieten sich in den großen und exklusiven Hotels. Hier können Sie, auch ohne Hotelgast zu sein, die örtlichen Angebote ausloten. Die Praxen werden in der Regel von staatlich geprüften Masseuren geführt, die aber auch alle östlichen oder speziellen Massagetechniken beherrschen.
Auch das Umfeld ist so, wie es sein soll. Der Behandlungsraum: eine Oase der Ruhe und Entspannung. Schon bei Betreten des Raumes müssen Sie sich wohlfühlen. Die ideale Hintergrundfarbe ist Apricot oder Pink. Auch die warmen, dicken, weichen Handtücher sollten diesen Ton haben.
Massageöle werden gemeinsam ausgesucht; leise Musik, die die Alpha-Wellen im Gehirn hervorruft, und natürlich Wärme und keine Zugluft etc. Sie merken schon, es könnte sein, dass Sie länger suchen müssen. Gute Adressen werden auch nur unter Freundinnen weitergegeben.
Die Kosten für eine Behandlung schwanken zwischen 25, – bis 30, – Euro, für 15 bis 20 Minuten und 45, – bis 50, – Euro für eine Vollmassage von 40 Minuten. Rechnen Sie für eine gute Vollmassage mit Lymphdrainage aber ruhig mit einer Stunde und einem Preis von 100, – bis 150, – Euro.
Es lohnt sich allerdings wirklich. Körper, Seele und Geist sind wieder frei. Sie verändern sich innerlich und äußerlich. Ihre Haltung und Ihr Gesichtsausdruck wird es zeigen.
Massage-Arten
Schwedische Massage, Shiatsu, Lymphdrainage, Bindegewebsmassage, Unterwassermassage, Polarity, Fußreflexzonenmassage, Rolfing.
Massage-Techniken
Streichen (Effleurage)
Langsame, streichende Bewegungen sind die Grundelemente und der Beginn einer jeden Massage. Wir alle kennen diese einfachsten und instinktivsten Massagegriffe, die wir ganz unbewusst bei Kopf- oder Bauchschmerzen einsetzen. Sie werden mit beiden Händen ausgeführt.
Lange, ausgreifende Bewegungen wirken erwärmend und entspannend. Lebhafte Bewegungen wirken belebend, stimulieren den Blutkreislauf und den Lymphfluss. Streichungen werden am ganzen Körper vorgenommen, um die Muskeln für weitere tiefenwirksamere Behandlungen vorzubereiten. Je nach Behandlungsgebiet werden die Streichungen unterschiedlich ausgeführt.
Am Rücken – ein großes flaches Areal – wird die Handflächenstreichung eingesetzt. Sie wird mit entspannten Handflächen ausgeführt, wobei der Druck in der vom Körper des Masseurs wegführenden Streichung am stärksten sein und bei der zum Ausgangspunkt zurückführenden Streichung nachlassen sollte. Dafür gibt es einen physiologischen Grund: die Förderung des gesamten Blut- und Lymphkreislaufes, bei dem Abfallprodukte zu den Lymphknoten befördert und dort abgebaut werden.
Streichungen mit der gewölbten Hand sind besonders an der Wadenmuskulatur angenehm. Der Vorzug dieser zarten Streichungen besteht in der Förderung des Lymphabflusses in die großen Gänge der Leiste. So wird auch Cellulitis im Bereich der Oberschenkel und des Gesäßes erfolgreich behandelt. Massagegriffe mit den Knöcheln werden an Schulter, Hand- und Fußflächen eingesetzt.
Kneten (Petrissage)
Dazu gehören alle Griffe, bei denen die Muskeln gepresst und kurz hochgehoben werden. Knetungen werden eingesetzt, wenn Spannungen und Schlacken aus Muskeln herausgepresst werden müssen; vor allem an Schultern, Beinen und Gesäß. Durch die dann bessere Blut- und Sauerstoffversorgung fließen dem Körper neue Kräfte der Selbstregulation zu. Der Wringgriff gehört mit zur Gruppe der Petrissagen. Er wringt Schlacken und Verspannungen aus den Muskeln.
Reiben (Friktionen)
Kleine, kreisförmige Bewegungen mit den Fingern, den Daumen oder den Handballen helfen, winzige Kristalle zu brechen, die die versteiften Muskeln zusammenhalten. Alle „reibenden Massagegriffe“ dringen durch Druck und langsames Kreisen in die tieferen Muskelgewebe vor. Sie eignen sich für Rücken, Schultern und Waden.
Drücken
Bei der Druckmassage wird mit der Daumenspitze oder der Spitze des Zeigefingers starker Druck auf bestimmte Stellen ausgeübt. Die Technik ist ideal, wenn ausdauernd auf dichte Muskelknoten zur Entspannung eingewirkt werden soll. Zum Beispiel an beiden Seiten des Rückgrats.
Schlagen, Klatschen, Klopfen (Tapotement)
Schlagende, klopfende und hackende Massagegriffe sind nicht entspannend, sondern stimulierend. Sie werden an fleischigen, muskulösen Partien wie Schenkel und Po eingesetzt. Diese Griffe werden sparsam verwendet.
Besonders helfen Massagen bei
- Herzstörungen
- Kreislaufstörungen
- hohem Blutdruck
- Kopfschmerzen
- Rücken- und Nackenschmerzen
- Stress
- Schlafstörungen
- Depressionen
Immer helfen Massagen bei der
- Aktivierung der Selbstheilungskräfte
- Stärkung des Immunsystems.
Keine Massagen bei
- offenen Wunden
- Ausschlägen
- Fieber
- Thrombose
- Venenentzündung
- Krampfadern
- Schwangerschaft
- Krebsgeschwüren
Die Massage-Öle
Öle sorgen während der Massage für eine glatte Oberfläche und ermöglichen fließende Bewegungen. Außerdem wird die Haut mit wichtigen Nährstoffen versorgt und transportiert die Wirkstoffe in die Blutbahn. Der Duft wirkt über die Nase direkt in die „Schaltzentrale“, in das Gehirn. Gemischt werden meistens Pflanzenöle (Jojoba-, Aprikosenkern-, Nachtkerzen- oder Weizenkeimöl) und je nach gewünschter Wirkung einige Tropfen ätherischer Öle.
Das Rosenöl
Die „Königin“ der ätherischen Öle ist das Rosenöl. Es ist hochkonzentriert, muss und kann deshalb sparsam verwendet werden und wirkt fast universal. Besonders geeignet ist es aber für das Nervensystem, den Kreislauf und die Atemwege. Es ist wunderbar zur Massage nach einer Geburt oder bei Hautproblemen wie starker Faltenbildung und trockener Haut bis zum Ekzem. Kaufen Sie nur reines Rosenöl, am besten aus Bulgarien oder Marokko.
Das Geranienöl
Dieses Öl ist bekannt für seine harmonisierende Wirkung auf den Hormonhaushalt und eignet sich besonders gut zur Behandlung prämenstrueller Spannungen und von Beschwerden während der Wechseljahre. Es ist das ideale Öl für Menschen mit Stimmungsschwankungen von „himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt“.






