Migräne
Das Leiden der Perfektionisten
Prominente Patienten:
Madame de Pompadour, Alfred Nobel, Karl Marx und Charles Darwin
Was hilft heute?
So beugen Sie vor
Stunden oder Tage kann er dauern, der halbseitige starke Schmerz im Kopf mit dem französischen Wort „Migräne“.
Ungefähr 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung leiden an dieser speziellen Form des Kopfschmerzes. Die Ursachen sind noch nicht endgültig geklärt. Auslöser gibt es viele. Betroffen sind vor allem Menschen, die immer alles perfekt machen wollen und sich für alles verantwortlich fühlen.
Patienten berichten:
„Oft beginnen die Anfälle am frühen Morgen, meistens gerade am Wochenende. Mir ist dann auch übel, ich habe Schwierigkeiten beim Sehen und Sprechen und möchte nur noch im dunklen Zimmer im Bett liegen bleiben“ – so beschreibt eine Migräne-Patientin ihr Befinden während einer Migräneattacke.
„Manchmal sind die Schmerzen nach 4 bis 5 Stunden vorbei, manchmal erst am nächsten Tag. Meine Familie kennt das schon und lässt mich dann in Ruhe. Leider habe ich ab und zu das Gefühl, sie meinen, ich nehme mir eine Auszeit.“
Die Ausrede
Das Problem kennen viele Patienten. Galt Migräne doch früher oft als Ausrede, speziell für Frauen. Auch Madame Pompadour zog sich oft mit einer Migräne zurück. Allerdings auch prominente Männer wie Charles Darwin, Karl Marx oder Alfred Nobel. Als Entschuldigung taugt Migräne sicher auch, aber Migräne ist eine ernsthafte Erkrankung und weit mehr als der Kopfschmerz, unter die Betroffenen regelmäßig leiden.
Die Diagnose
Untersuchungen zeigten bei Migräne-Patienten im EEG (Elektroenzephalogramm) Rhythmusstörungen der Gehirnströme. Es kann sein, dass sich während der Anfälle die Gehirnarterien verkrampfen. Neueste Forschungsergebnisse deuten auch auf eine vorübergehende Erhitzung hin. Der Schmerz hätte dann seine klassische Schutzfunktion zu erfüllen: Die Betroffenen sind gezwungen, nichts mehr zu denken und nichts mehr körperlich zu machen.
Für die Diagnose und die Behandlung der Migräne ist es wichtig, eine Verwechslung mit dem Spannungskopfschmerz auszuschließen. Deshalb sollte vor allen Maßnahmen einer Selbstbehandlung – und vor allem wenn die Anfälle länger als 72 Stunden dauern – ein Facharzt aufgesucht werden. Erst dann können Sie selbst entscheiden, wie Sie Ihre Migräne behandeln wollen und welche Maßnahmen zur Vorbeugung sinnvoll sind.
Die Ursachen
Migräne-Patienten führen oft ein spezielles Tagebuch. Das ist sehr sinnvoll, weil viele Ursachen als Auslöser bekannt sind, aber doch sehr unterschiedlich von Patient zu Patient ins Gewicht fallen. Da die Anfälle auch überfallartig kommen, ist es wichtig, den genauen Ablauf vorher dokumentiert zu haben. Dazu gehört alles, was mit Stress, Ernährung, Medikamenten, Infektionskrankheiten, Schlaf und bei Frauen mit der Monatsperiode zu tun hat.
Nahrungsmittel, die bei besonders vielen Patienten eine Migräne auslösen, sind Schokolade, bestimmte Käsesorten, natürlich Alkohol (vor allem Rotwein) und Nikotin. Gefährlich sind auch gepökeltes Fleisch und frische Gemüse, die mit Düngemitteln behandelt wurden.
Die Auswertung der Migräne-Tagebücher hat aber auch gezeigt, dass in 60 Prozent aller Fälle eine Überforderung seelischer Art vorlag. Typisch dann, dass die Anfälle erst einsetzen, wenn eine Zeit der Entspannung (Besinnung) kommt, nämlich ein Wochenende oder der Urlaub.

Madame de Pompadour

Karl Marx

Charles Darwin
Was hilft gegen Migräne?
Bei akuten Migräneanfällen helfen natürlich Schmerzmittel und Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen. Wer wie viel und wovon benötigt, bleibt der Empfehlung eines Arztes und den eigenen Erfahrungen vorbehalten. Wie von selbst ziehen sich natürlich alle Migräne-Patienten während eines Anfalls in ein dunkles, ruhiges Zimmer zurück und legen sich hin. Dazu bedarf es keiner Empfehlung. Vielen hilft dann auch eine kühlende Augenmaske (unter dem Begriff „Eismaske“ fertig in Apotheken).
Die homöopathische Behandlung der Migräne ist schon für Fachleute schwierig, zur Selbsttherapie fast unmöglich. In der schmerzfreien Zeit sollte deshalb eine Konstitutionsbehandlung durch den Heilpraktiker oder den homöopathisch ausgebildeten Arzt erfolgen. In akuten Schüben wird dann ganz genau unterschieden zwischen linkseitiger Migräne, pochender Migräne mit Lichtscheuheit, Migräne mit weinerlicher Stimmung, Migräne über dem rechten Auge oder Migräne mit dem starken Verlangen, den Kopf einzuhüllen. Danach richten sich dann die Mittel, die Potenzen und die Abstände der Einnahme.
In der Kräutermedizin wir Rainfarn traditionell bei Migräne empfohlen. Dieses Kraut ist getrocknet und in Kapseln im Handel. Zur Entspannung kann Baldrian(wurzel)tee und gegen die Schmerzen ein Aufguss aus Weidenrinde und Mädensüß helfen.
Die Aromatherapie empfiehlt Massagen und Bäder zur Linderung der Schmerzen. Für die Schläfen eignen sich Lavendel, Basilikum oder Kamille. Tropfen Sie ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl in einen Teelöffel mit einem Basisöl (fette Trägeröle wie Weizenkeim- oder Mandelöl), verrühren dies und dann erst auf die Haut zur Massage auftragen.
Für ein Bad vermischen Sie das nicht-wasserlösliche ätherische Öl Ihrer Wahl mit einem Esslöffel Vollmilch und geben die Mischung dann erst in das Wasser der Badewanne. Ratsam ist die individuelle Empfehlung durch einen Aromatherapeuten.
In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden zum Beispiel Massagetechniken aus dem Shiatsu angewendet. Sanfte Massage des Gallenblasenmeridians an Kopf und Nacken lindern die Migränebeschwerden. Eine weitere Methode ist die Akupunktur. Auch dabei reagieren die Patienten auf eine Behandlung der Leber- und Gallenmeridiane.
Für die ebenfalls hilfreiche Akupressur sollten sich Betroffene in die Grundlagen einweihen lassen oder in entsprechenden Büchern nachlesen. Eine Selbstbehandlung mit Akupressur kann bereits nach zehn Minuten krampflösend wirken. Nur kennen muss man sie, die Punkte wie: Höchste Attacke, Göttlicher Gleichmut, Quelle des Yang-Hügels, Insel der Mitte oder Göttliches Tor.
Vorbeugen
Bei Diäten und Fastenkuren ist Vorsicht geboten, denn ein Absinken des Blutzuckers auf Unterzuckerniveau gilt als Migräneauslöser. Deshalb sollten Migräne-Patienten lieber regelmäßig vier bis fünf kleine Mahlzeiten am Tag essen. Das verhindert erstens eine Gewichtszunahme und zweitens auch eine Unterzuckerung. Alle Lebensmittel, die als Migräneauslöser mit dem Tagebuch ermittelt wurden, sind natürlich tabu.
Stress spielt eine große Rolle als Auslöser, deshalb ist es für Migräne-Patienten sinnvoll, Entspannungstechniken wie Autogenes oder Mentales Training zu erlernen. Auch das Gefühl, dass Pausen erlaubt sind und die Leistungsfähigkeit fördern, muss verinnerlicht werden.
Laufen Sie Ihrem Stress, Zeitdruck und Problemen im Kopf, regelmäßig und täglich für 20 bis 30 Minuten im wahrsten Sinne des Wortes davon. Ein straffer Spaziergang an der frischen Luft macht den Kopf frei, aktiviert die Muskeln, den Stoffwechsel und das Immunsystem.
Es ist uns seit Ur-Zeiten in die Gene programmiert, dass bei Problemen (mit Angst verbunden) die Flucht- oder Kampfreflexe in uns wach werden. Das heißt Muskelanspannung, reduzieren der Verdauung und des Stoffwechsels, erhöhte Produktion der Stress-Hormone, hoher Verbrauch an Immunabwehrkräften.
Das alles können wir mit mäßiger körperlicher Bewegung (keine extremen Spitzenleistungen!) wieder in das gesunde Lot bringen. Unser Immunsystem und unsere Selbstheilungskräfte werden so geschont und gestärkt und nicht im Dauerstress verbraucht.
- Gehen Sie regelmäßig spazieren.
- Bauen Sie Stress durch Autogenes Training ab.
- Vermeiden Sie Lebensmittel, die bei Ihnen Migräneanfälle auslösen.
- Lassen Sie sich von einem Aromatherapeuten beraten.
- Verwenden Sie auf Empfehlung ein homöopathisches Konstitutionsmittel.
- Lernen Sie zur Selbstbehandlung die Fachgriffe der Akupressur.
- Haben Sie immer eine „Eismaske“ im Haus.
Alle Maßnahmen, die zur Vorbeugung empfohlen werden, können Migräneanfälle meist nicht verhindern, aber die Dauer, die Häufigkeit und die Heftigkeit reduzieren.
Artikel geschrieben von Karin Springefeld




