„Ruhe bitte!“
Lärm löst im Körper Alarm aus
Welche Organe reagieren?
Das gekoppelte Dreieck
Test: Ist Ihr Immunsystem fit?
Jeder fühlt sich von Lärm belästigt, aber nur 28 Prozent aller befragten Deutschen erkennen auch den Zusammenhang mit ihrem persönlichen Gesundheitsrisiko.

„Ruhe bitte!“
Mit diesem kurzen Satz verbitten sich Regisseure jedes Hintergrundgeräusch. Oh, könnten wir das doch auch! – Nur absolute Ruhe garantiert dem Regisseur gute Tonaufnahmen. Mikrofone sind sensible Geräte. Jedes störende Geräusch würde die Aufnahme unbrauchbar machen und wertvolle Zeit und Geld wären verschwendet. Unser Gehirn ist noch viel sensibler als das modernste Mikrofon, aber wir verschwenden „nur“ unsere Gesundheit.
Geräusche lösen im Körper „Alarm“ aus
Untersuchungen haben gezeigt: Lärm stört nicht nur, sondern macht krank! Vor Asbest, Amalgam und Autoabgasen hüten wir uns, auch Lärm dürfen wir nicht hinnehmen. Lärm ist eine der folgenreichsten Umweltverschmutzungen.
Auch die zarteste Schallwelle kommt über unsere Ohren und den Hörgang im Hörzentrum des Gehirns an. Diese Sinnesreize lösen „Alarm“ aus, denn Geräusche sind für uns ursprüngliche Warnsignale. Achtung: Gefahr! Da unser Gehirn über die Nervenbahnen mit unserem Hormon- und Immunsystem in ständigem Kontakt steht, treffen alle Systeme Vorsorge und ändern ihr Programm. Das haben wir so geerbt. Eine andauernde Geräuschkulisse nervt also nicht nur, sondern macht uns richtig krank. Langsam, aber sicher.
Gegen Lärm ist niemand immun
Das ist das Ergebnis einer Studie, die von Prof. Hartmut Ising (Umweltbundesamt) auf einem Lärm-Symposium in Bonn vorgestellt wurde. Besonders gefährlich ist nicht der kurzfristige Krach von Tieffliegern, Martinshörnern, Kreissägen oder einem Discobesuch, sondern die alltäglichen Geräusche um uns herum. Hören Sie mal, was Sie jetzt alles hören!
Der Körper reagiert auf diese Warnsignale mit Muskelanspannung und schüttet vermehrt das Stresshormon Adrenalin aus. Auf „Flucht“ programmiert verengen sich die Blutgefäße, der Blutdruck wird erhöht, Magensaft- und Speichelproduktion werden verringert, das Hormonsystem reagiert, die Cholesterinwerte steigen. Durch die Veränderung fast aller Körperfunktionen wird das Wohlbefinden erheblich gestört. Leistungs- und Konzentrationsstörungen sind noch das geringste Übel.
Von „Arbeitsunfähigkeit“ bis Herzinfarkt
Langzeitstudien zeigen sogar, dass 2000 tödliche Herzinfarkte und 8000 Bescheinigungen zur „Arbeitsunfähigkeit“ jedes Jahr zu den Folgen der extrem gestiegenen Lärmbelastung gehören. Statistisch noch nicht erfasst sind alle Krankheiten, deren Ursachen ein geschwächtes Immunsystem sind. „Wir haben es also mit einem langfristigen Gesundheitsrisiko zu tun“, machte Ising deutlich.
Wer „viel um die Ohren hat“ reagiert mit:
- Herz-Kreislauf-Beschwerden
- Gereiztheit
- Gehörschäden
- Schlafstörungen
- Sinnkrisen
- Depressionen
- Bluthochdruck
Immun-, Hormon- und Nervensystem: Das gekoppelte Dreieck in Aufruhr
Ein Lärmpegel von 65 Dezibel gilt bereits als ausreichend, um Immun-, Hormon- und Nervensystem in Daueralarm zu versetzen. „Damit ist bereits jeder sechste Deutsche von dieser Umweltbelastung akut betroffen“, errechnete Hermann Neuss von der Hamburger Gesundheitsbehörde.
Ein Blick in die offiziellen „Dezibel-Listen“ zeigt die Gründe. Bereits in einer „normalen“ städtischen Wohngegend ist es zu laut. Allerdings sind Sie auch nicht besser dran, wenn Sie zwar „auf dem Land“, aber an einer Hauptstraße, womöglich noch an einer Kreuzung, wohnen. Der Lärm durch Straßenverkehr ist inzwischen eine größere Gefahr für die Gesundheit als die Autoabgase.
Zu diesem Ergebnis kommt auch der staatliche Arbeitskreis „Schutz der menschlichen Gesundheit“. Deshalb reagierte das Bundesumweltministerium und wird Fördermittel für schalldämpfende Reifen und Fahrbahnbeläge „flott machen“. Unterstützt wird außerdem die Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf Schiene und Wasser. Für die Bekämpfung des Fluglärms liegen der Bundesregierung auch schon Konzepte vor: Lärmbezogene Landegebühren und leisere Flugzeuge! Das ist alles toll, aber bis die Fördermittel und Konzepte in der Praxis Erfolg bringen, kann es dauern. Das befürchten selbst die Experten.
Gehörschutz oder im Keller schlafen
Wer sein Wohlbefinden und seine Lebenserwartung ab sofort verbessern will, kann die Doppelfenster ständig geschlossen halten, Gehörschützer tragen und im Keller schlafen, denn Erde schluckt viel Lärm. Das raten die Experten! Wenn Sie das nicht so erstrebenswert finden, bleiben Ihnen nur drei Ausweichmanöver: Eine ruhige Wohnung, ein starkes Immunsystem und gelegentlich ein Ohrenschutz!
Dem Immunsystem entgeht nichts
Alles, was wir sehen, fühlen, denken, essen und hören, wird unserem Gehirn gemeldet. Die Empfangsstationen arbeiten ständig, ohne dass wir es merken und ohne, dass wir es beeinflussen können. Es spielt auch keine Rolle, ob wir Geräusche als angenehm oder als unangenehm empfinden.
Der „Alarm“ wird empfangen und unser Immunsystem beginnt mit Abwehrreaktionen. Über Blut und Lymphe schwärmen die „Abwehrspezialisten“ in den Körper aus, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Das Immunsystem „sitzt“ in verschiedenen Zentren: dem Knochenmark, der Thymusdrüse, der Milz, den Lymphgefäßen und Lymphknoten, den Mandeln, dem Darm, dem Blinddarm und in der Leber.
Eiweißversorgung ist wichtig
Für das Immunsystem ist eine gute Eiweißversorgung besonders wichtig, da viele seiner „Waffen“ (Antikörper, Botenstoffe) aus Aminosäuren, den Eiweißbausteinen, bestehen. Mangelt es an dieser „Bausubstanz“, wird das Immunsystem schwach. Da aber wissenschaftlich belegt ist, dass das Immunsystem mit dem Hormon- und Zentral-Nerven-System gekoppelt ist, werden jetzt weitere Regelkreise im Körper gestört.
Im Gehirn löst dieses Chaos Launen und Reizbarkeit aus. Diesen Zustand kennt jeder, bevor zum Beispiel ein Schnupfen ausbricht. Schuld daran sind die Botenstoffe des Abwehrsystems, die im Blut den Abwehrkampf gegen die Feinde koordinieren. Das Immunsystem bringen sie auf Trab, das Gehirn machen sie träge. Unsere Stimmung ist depressiv.
Stärken Sie Ihr Immunsystem
Um Ihr Immunsystem zu unterstützen, sollten Sie besonders auf eine vitaminreiche Ernährung (vor allem mit den Zellschutzvitaminen C und E), auf den Mineralstoff Magnesium und das Spurenelement Selen achten, denn ein guter Immunschutz beginnt mit Zellschutz.
Jeder Stress – egal ob Geräusche, Ärger, Trauer oder Liebeskummer – entzieht dem Körper seine lebenswichtigen Bausteine. Einem stressbedingten Mangel an Vitamin B6 folgen erhebliche Störungen im Eiweiß- und Hormonstoffwechsel. Signale sind Zyklusstörungen, Entzündungen, aber auch Depressionen und Reizbarkeit.
Allein ein etwa dreistündiger Streit verbraucht rund 300 mg Vitamin C – das ist das Dreifache dessen, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als Tagesbedarf empfiehlt. Langandauernde seelische Belastungen oder auch Lärmstress führen dazu, dass der Körper erheblich mehr Magnesium „schluckt“. Es fehlt dann in den Nervenzellen, in den Muskeln (Krämpfe) und vielen anderen Stoffwechselprozessen.
Da es als erwiesen gilt, dass 90 Prozent aller Krankheiten durch eine Störung im Stoffwechsel hervorgerufen werden, lohnt es sich, auf eine gesunde Ernährung zu achten. Eventuell können Sie von Zeit zu Zeit auch auf das große Angebot von Nahrungsergänzungsmitteln zurückgreifen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten. Viel falsch machen können Sie nicht, denn eine zu hohe Dosis an wasserlöslichen Vitaminen scheidet der Körper wieder aus. Bei den fettlöslichen Vitaminen halten Sie sich an die Tagesdosis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Inseln der Ruhe
Falls Sie mit dem Aufruf eines Regisseurs – „Ruhe bitte“ – keinen Erfolg haben, verschaffen Sie sich extra Ruhepausen. Das ist nicht egoistisch, das ist lebenswichtig! Suchen Sie so oft es geht, Orte der absoluten Ruhe auf. Das können Spaziergänge durch Wald und Wiesen sein, Touren auf hohe Berge oder der Besuch einer einsamen Kirche.
Von Zeit zu Zeit können auch preiswerte Gehörschutzstöpsel aus Watte, Kunst- oder Schaumstoff helfen. Außerdem gibt es noch die „Otoplastiken“, die nach Maß angefertigt werden. Viele Gehörschützer sind so ausgelegt, dass der störende Lärm aufgefangen wird, aber eine sprachliche Verständigung noch möglich ist. Das ist sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld sehr praktisch. Wenn Sie schlafen wollen, wählen Sie diese Luxusmodelle nicht. Sie dämmen zwar die hohen Frequenzen, lassen aber die tiefen durch. Im Schlaf ist absolute Ruhe das Beste.
Testen Sie Ihr Immunsystem
Wenn Sie testen möchten, ob Ihr Immunsystem topfit oder bereits geschwächt ist, kreuzen Sie in der Liste an, welche der Symptome bei Ihnen seit mehr als sechs Monaten bestehen oder in den vergangenen Jahren immer wieder aufgetreten sind.
Der Test beruht auf internationalen Kriterien, die mit einer aktuellen Studie in Deutschland übernommen, bestätigt und anerkannt wurden. Zählen Sie dann die Punkte zusammen und lesen Sie die Auswertung.
Test: Ist Ihr Immunsystem fit?
| Müdigkeit/Leistungsminderung/Erschöpfung | 4 Punkte |
| Konzentrationsstörungen | 2 Punkte |
| Gedächtnisschwäche | 2 Punkte |
| Gefühlsschwankungen | 1 Punkt |
| Schlafstörungen | 2 Punkte |
| Kopfschmerzen | 2 Punkte |
| Muskelbeschwerden | 2 Punkte |
| Atemwegsinfekte | 2 Punkte |
| Herzklopfen | 2 Punkte |
| Schwindel | 2 Punkte |
| Depressionen | 1 Punkt |
| Halsschmerzen | 1 Punkt |
| Nachtschweiß | 2 Punkte |
| Gelenkbeschwerden | 1 Punkt |
| Verdauungsstörungen | 1 Punkt |
| Augentrockenheit | 2 Punkte |
| Übelkeit | 1 Punkt |
| Sehstörungen | 1 Punkt |
| Magen-Darm-Infekte | 1 Punkt |
| Allergien | 2 Punkte |
| Koordinationsstörungen | 2 Punkte |
| Taubheitsgefühle | 1 Punkt |
| Haarausfall | 1 Punkt |
| Hautveränderungen | 1 Punkt |
| Brustschmerz | 1 Punkt |
| Hautausschlag | 1 Punkt |
| Angstanfälle | 1 Punkt |
| Zuckungen | 1 Punkt |
| Gewichtszunahme | 1 Punkt |
| Fieber | 1 Punkt |
| Persönlichkeitsveränderung | 1 Punkt |
| Medikamentenunverträglichkeit | 2 Punkte |
| Harnwegsinfekte | 1 Punkt |
| Alkoholunverträglichkeit | 1 Punkt |
| Lymphknotenschwellung | 1 Punkt |
| Allgemeine Infekte | 1 Punkt |
| Nahrungsmittelunverträglichkeit | 1 Punkt |
| Verstörtheit | 1 Punkt |
| Ungewollte Gewichtsabnahme | 1 Punkt |
| Heuschnupfenallergie | 1 Punkt |
| Phobien | 1 Punkt |
| Leber-Milz-Vergrößerung | 1 Punkt |
| Schimmelpilzallergie | 1 Punkt |
| Zeitweise Lähmungen | 1 Punkt |
| Epileptische Anfälle | 1 Punkt |
| Auswertung: | |
| 1 bis 5 Punkte: | Immundefekt möglich |
| 6 bis 10 Punkte: | Immundefekt wahrscheinlich |
| Mehr als 10 Punkte: | Immundefekt sehr wahrscheinlich; |
| Risiko für schwere Folgeerkrankungen | |
Artikel geschrieben von: Karin Springefeld





