F A S T E N
Verzichten und gewinnen
- Wie wird gefastet?
- Wie läuft eine Fastenkur ab?
- Wer fastet bitte nicht?
- Und übrigens: Intervallfasten
Fasten ist eines der ältesten Naturheilverfahren und bedeutet sehr viel mehr, als einfach nur nichts essen. Es heißt, freiwillig und vorübergehend auf feste Nahrung, die vielen liebgewordenen Lebensgewohnheiten, aber auch auf Arbeit und Pflichten verzichten oder alles einschränken. Ziel des Fastens ist eine umfassende Neuordnung des Geistes.
Als Helmuth Kohl seine Fastenwoche 1998 beendet hatte, verkündete er kraftvoll und entschlossen: „Ich werde wieder als Bundeskanzler kandidieren“. Fasten scheint also nicht Kraft und Energie zu kosten, sondern zu schenken.
Mehr und mehr werden Fastenwochen, zum Beispiel in Klöstern „Fasten und schweigen“, en vogue für gestresste Manager oder Frauen, die wegen der Doppelbelastung von Beruf und Familie neu auftanken müssen.
Ernte, Religion und Medizin
Fastenzeiten gibt es in allen Weltreligionen und seit ältesten Zeiten. Der weltliche Ursprung ist ganz profan: Zwischen Ende Februar und Anfang April waren die Essensvorräte in den Speisekammern fast aufgebraucht und die neue Ernte ließ noch auf sich warten. Die Bevölkerung musste einen guten Sinn im Verzicht sehen. Es galt, Unruhen zu vermeiden.
Im Christentum dient die Fastenzeit der Vorbereitung auf die Auferstehung Christi, im Islam gibt es den Fastenmonat Ramadan, in dem von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder Speise noch Trank genossen werden dürfen. Es spielt keine Rolle, ob aus religiösen Gründen gefastet wird, zur Selbstbesinnung oder nur zum Abnehmen beiträgt, immer setzt sich der Fastende auch von der Umwelt ab.
Früher wurde gefastet, ohne zu wissen, wie es wirkte. Heute ist durch die Enzymchemie bekannt, dass der Körper während des Fastens verstärkt auf überflüssige Schlacken des Stoffwechsels zurückgreift. Es kommt zu einer Umstellung aller Organfunktionen und zur Reinigung des Körpers.
Im medizinischen Bereich erfolgt Fasten als Ernährungstherapie durch Heilfasten. Fastenkuren dienen nicht nur der Heilung von bestehenden Krankheiten, sondern auch der Vorbeugung. Kurzfristig Fasten können Sie zu Hause in Absprache mit Ihrem Hausarzt. Zum Beispiel bei fieberhaften Erkrankungen oder Verdauungsbeschwerden.
Wie wird gefastet?
Eine Fastenkur über 5 bis 20 Tage sollten Sie aber nur in einer Klinik oder einem Hotel mit ärztlicher Begleitung durchführen. Hier haben Sie auch die notwendige Ruhe und Abgeschiedenheit.
Wichtig ist außerdem die seelische Führung eines Arztes und die Gemeinschaft mit anderen Fastern. Vor allem in den ersten Tagen, wenn der Verzicht auf Nahrung und liebgewordene Gewohnheiten wie eine Zigarette, eine Tasse Kaffee, ein Gläschen Wein oder ähnliches noch wirklich schwerfällt.
Vorübergehend kann es auch zu Anzeichen einer Rückvergiftung kommen, weil die Schlacken bereits angegriffen werden, die Ausscheidung aber noch nicht richtig in Gang gekommen ist.
Wie läuft eine Fastenkur ab?
Der Entlastungstag
Sie beginnen mit einem Entlastungstag, an dem Sie sich auf das bevorstehende Fasten einstellen, Anspannungen abbauen, auf Kaffee, Zigaretten und Alkohol verzichten, also einfach ausspannen.
Erster Fastentag
Dann kommt der erste Fastentag, der mit einer gründlichen Entleerung des Darms beginnt. Dem einen genügt dafür ein Glas Buttermilch auf nüchternen Magen, für den anderen muss es ein Einlauf sein und der dritte bevorzugt ein Abführmittel (z. B. Glaubersalz). So lange der Darm noch nicht ganz leer ist, haben Sie noch ein Hungergefühl. Außerdem muss der Darm entleert werden, weil nichts nachkommen soll und da würde alles, was drin ist, nur zu lange verweilen.
Zweiter Fastentag
Am zweiten Fastentag ist der Körper voll mit der Umstellung beschäftigt. Der Blutdruck sinkt, es treten noch Hungergefühle auf, es kann zu leichten Schwindelanfällen kommen. Gelegentlich führt die Entwässerung zu Kopf-, Glieder- und Kreuzschmerzen.
Ab dem dritten Fastentag
Ab dem dritten Fastentag haben sich Ihr Körper und Ihre Seele stabilisiert. Sie fasten problemlos weiter und bekommen Lust auf etwas Ausgleichssport wie Schwimmen oder Spaziergänge. Dieser Lust geben sie nach, ohne sich dabei anzustrengen. Jetzt ist auch der Verzicht auf Ehrgeiz angesagt!
Das Ende der Fastenkur
Das Ende der Fastenkur, das Fastenbrechen, muss ebenfalls genauen Regeln folgen. Keinesfalls essen und leben Sie wieder einfach so drauf los. Alles ganz langsam, in Maßen, besinnlich! Achten Sie während der Fastenzeit auf Ihren Kreislauf. Er funktioniert nicht wie gewohnt und muss in Schwung gebracht werden.
- Lesen Sie während des Fastens, was Sie schon immer lesen wollten.
- Hören Sie Ihre Lieblingsmusik.
- Lassen Sie sich ärztlich beraten und von Gleichgesinnten begleiten, dann ist der Erfolg sicher, und Sie sagen am Ende der Fastenkur auch:
- „Ich kandidiere wieder!“
Sie fasten bitte nicht bei:
- Überfunktion der Schilddrüse
- Tuberkulose
- Krebs
- Magengeschwür
- Einnahme von Blutverdünnungsmitteln
- Erschöpfungszuständen
- Depressiven Phasen
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Bulimie
- Nach Operationen
- Langen Krankheiten
- Nach Unfällen
Und übrigens:
Die medizinische Wissenschaft erforscht alles rund um das Thema „Fasten“ aktuell sehr intensiv. Da es an konkreten Daten und Fakten aber noch fehlt, wundert es nicht, dass es zwei Lager unter den Experten gibt, die sich kontrovers gegenüberstehen. Fasten ja oder nein?
Erste Ergebnisse zahlreicher Studien deuten darauf hin, dass Fasten den Blutzuckerwert senkt, gut Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugt, das Körpergewicht reduziert und das allgemeine Wohlbefinden verbessert.
Wie es im Moment anhand der Studienlage aussieht, wird es keine allgemeine Empfehlung geben, denn Menschen sind nun mal verschieden und deshalb wird das Fasten eine sehr individuelle Maßnahme bleiben.
.Entscheiden Sie nach guter Recherche zum Thema und Ihrem persönlichen Empfinden, was gut für Sie sein könnte oder schon einmal war. Könnte es einmal im Jahr eine 14tägige Fastenkur sein, ein Intervallfasten pro Monat von drei Tagen oder ein Intervallfasten von je einem Tag pro Woche.
Abgesehen von leeren Speisekammern oder religiösen Motiven, sollten wir immer daran denken, dass unsere ganz frühen Vorfahren Jäger und Sammler waren. Da gab es ursprünglich eben Zeiten, in denen Verzicht geübt werden musste. Erst als Ackerbau und Viehzucht bei den sesshaften Vorfahren ins Leben kamen, gab es ein mehr oder weniger ständiges Angebot von Nahrung. Unser Körper hat diese Urzeiten aber nicht „vergessen“.
Artikel geschrieben von Karin Springefeld




