Longevity – gesund altern
- Gesucht wird der „Jungbrunnen“
- Drei Hypothesen über das Altern
- PLZ oder Gene?
- Therapien gegen das Altern
Longevity – das neue Modewort für alle Best Ager. Die kaufkräftige und lebenslustige Zielgruppe wurde vor allem von Marketingexperten definiert. Hier sieht man Potential für alles, was ein längeres und gesundes Leben verspricht.
Die Umsätze mit Nahrungsergänzungsmitteln, Ernährungsratgebern, Fitnessgeräten sowie kosmetischen und medizinischen Schönheitsoperationen boomt. Krankenkassen, Hotels und private Institute geben Tipps und versprechen Erfolge, um möglichst lange gesund zu bleiben. Überhaupt geht es bei Longevity nicht um die pure Lebensverlängerung, sondern um die möglichst lange Lebensspanne in Gesundheit.
Kürzlich fand in München ein Kongress mit dem Thema „Longevity“ statt. Organisiert von der „Deutschen Longevity Gesellschaft e. V.“. Findet am 13. – 15. November 2026 erneut statt, aber auch in anderen deutschen Städten. Einfach mal googeln, denn es wird jeweils ein Programm für Fachleute und eins für Laien geboten. Auf der Internetseite finden sie alles, was interessant ist. www.deutsche-longevity-gesellschaft.de
Gesucht wird seit jeher der „Jungbrunnen“
Die Suche nach dem „Jungbrunnen“ ist uralt. Alte Therapien gegen das Altern sind bekannt, denn die letzte Station des Lebens, das Alter, hat seit jeher die Menschen beunruhigt. Obwohl der soziale Status alter Menschen in früheren Zeiten und bei „primitiven“ Völkern sehr hoch war (wahrscheinlich aufgrund der geringen Anzahl), verursachte doch der Verfall der Körper- und Geisteskräfte Angst und beflügelte die Suche nach Möglichkeiten, die Alterungsprozesse aufzuhalten.
Drei Hypothesen beschreiben Anfang und Ursache des Alterns
Die erste basiert auf der Annahme der Aufzehrung der „inneren Wärme“. Aristoteles hat in seinem Werk „De juventure et senectute“ den Versuch unternommen, diesen Prozess zu beschreiben. Auch die „Vitalisten“ (z. B. Hufeland) erklärten das Altern mit der Abschwächung der vis vitalis, des anfänglichen Bestandes an Lebensenergie.
Der zweite holistische Ansatz basiert auf der „Vergiftung“ des Körpers durch Abbauprodukte des Stoffwechsels (Paracelsus). Erst 500 Jahre später vertritt auch Elie Metchnikoff die Auffassung, dass Toxine aus den Darmbakterien eine chronische Vergiftung verursachen und den Alterungsprozess forcieren.
Die dritte These stellte Charles Sedgwick auf: Das Altern ist eine Folge des verminderten Potentials für Wachstum und Regeneration.
Die erste entscheidende experimentelle Darstellung erbrachte der amerikanische Ernährungswissenschaftler C. M. McCay. Schon Buffon hatte allerdings 1749 geschrieben:
„Der Körper des Menschen beginnt zu zerfallen, sobald er den Punkt seiner Vollendung erreicht hat.“

PLZ oder Gene?
Dieser Punkt, das wissen wir heute, ist jedoch von Individuum zu Individuum verschieden. Das Gesamtprogramm ist zwar genetisch determiniert, aber das Milieu beeinflusst Geschwindigkeit und Modalitäten.
Deshalb gab es von Nic Palmarini (National Innovation Centre Agering) in München auch den spektakulären Satz:
„Die PLZ entscheidet mehr als unsere Gene über das Altern“.
Er verdeutlichte das an einem Beispiel aus London. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass Frauen in Kensington (reiche Bewohner) eine deutlich längere Gesundheitsspanne haben als Frauen in Tower Hamlet (arme Bewohner).
In diesem Zusammenhang machte er darauf aufmerksam, wie wichtig eine staatliche Gesundheitspolitik ist und zitierte den Römer Cicero mit dem Spruch:
„Salus populi suprema lex esto“ – das Wohlergehen und die Gesundheit der Bevölkerung sollten das oberste Gesetz sein.
Schaut man sich alle seine Tipps und Erkenntnisse an, kommt man nicht umhin, gewisse Ähnlichkeiten zu dem zu entdecken, was früher bereits erkannt und empfohlen wurde.
Alte Therapien gegen das Altern
„Gold, Menschenblut und der Atem junger Mädchen“ – das waren die Tipps. Bei den „vorwissenschaftlichen“ Therapien gegen das Altern gab es zwei Richtungen.
Die eine hatte klare Heil- und Verjüngungsabsichten, die andere setzte auf Prophylaxe.
Aus der ersten Richtung kommt u. a. die Empfehlung aus dem alten Papyrus V von Leyden: Gold, Menschenblut, die Haut von Mumien und das Fleisch von Giftschlangen. Immerhin waren diese Ingredienzien bis in das 12. Jahrhundert die meist verschriebenen zur Verjüngung.
Eine andere alte Therapie geht auf die Zeit König Davids zurück. Hier galt der „Atem junger Mädchen“ als Wunderheilmittel. Die „Atemtherapie“ wurde wieder beschrieben von Cohausen (1699) zur Verlängerung des Lebens und zur Verjüngung der Alten. Allerdings räumte er ein, dass die Sultane, trotz eines Harems voller junger Mädchen, genauso alterten wie andere.
Die Römer sahen das „Blut als Träger der Lebenswärme“. Angeblich stürzten sich alte Römer nach Gladiatorenkämpfen in die Arena, um das warme Blut zu trinken. Noch im Mittelalter empfahl Ficino, das Blut junger Menschen mit zwei Unzen Zucker zu mischen und zu trinken.
Im alten China wurden solche Therapien nicht empfohlen. Hier wurde die „Goldpille“ gepriesen.
Mäßigung – das Maß aller Dinge
Für die Prophylaxe formulierte Hippokrates wohl als erster die folgenden Richtlinien gegen vorzeitiges Altern:
Mäßigung in allen Dingen, die täglichen Arbeiten so lange wie möglich selbst erledigen und nicht abrupt beenden.
Das Alter und die Rente sind nicht das Ende, jetzt können Sie endlich machen, was Sie wollen, aber diese drei Dinge sollten Sie vermeiden:
- Stürzen Sie sich nicht auf Ihre Familie, die längst allein zurechtkommt.
- Stürzen Sie sich nicht auf einen neuen Sport, den Sie noch nie betrieben haben.
- Stürzen Sie sich nicht dauernd in die Hausarztpraxis oder die Apotheke.
Angebote, um ewig jung zu bleiben oder wenigstens fit und faltenfrei, gibt es wie Sand am Meer. Letzten Endes muss jeder für sich selbst entscheiden, was für ihn gut ist. Über die Ursachen des Alterungsprozesses wird schon immer geforscht und spekuliert und versucht, den Fortgang wenigstens zu verlangsamen. Eine Patentlösung ist nicht in Sicht.
Erhalten Sie sich also Ihre Lebensfreude, machen Sie Pläne, essen Sie mäßig, aber gut, pflegen Sie Ihren Körper, vermeiden Sie möglichst große operative Eingriffe. Seien Sie stolz auf Ihr gelebtes Leben.
Und übrigens: Wir sollten alle unserer Jugend ein erstrebenswertes Vorbild sein, denn:
„Eine Gesellschaft, die das Alter als eine schreckliche Perspektive darstellt,
bietet der Jugend keine gute Perspektive.“(Zitat aus dem Buch „Lebenslust“ von Manfred Lütz)
Artikel geschrieben von Karin Springefeld




