Angst
Das Gefühl zwischen Flucht und Angriff
- Dauerstress macht krank
- Ängste nicht verschweigen
- Akzeptieren und analysieren
- Erfolgreich behandeln
„Sorge dich nicht, lebe!“ ist ein bekanntes Buch von Dale Carnegie und seit Jahrzehnten ein Bestseller. Nicht ohne Grund. Angstgefühle lähmen immerhin sechs Millionen Deutsche, stören im Alltag, verhindern beruflichen Erfolg, privates Glück und machen krank, weil sie das Immun- und Nervensystem unter Dauerstress setzen.
Lieber verschweigen?
Angst ist in heutiger Zeit nicht en vogue. Die Welt gehört den siegreichen Dauerlächlern. Deshalb trauen sich viele Menschen auch nicht, offen über ihre Angstzustände oder Panikattacken zu sprechen oder sich einem Arzt oder Therapeuten anzuvertrauen. Sie ziehen sich zurück, vermeiden bestimmte Orte oder Situationen und geraten nicht selten in die soziale Isolation.
Dabei sind Angstgefühle kein Grund, sich zu schämen. Im Gegenteil:
Angst haben nur intelligente, intuitive und phantasievolle Menschen. Dummen und Gefühlsarmen bleibt diese Erfahrung erspart. Angstgefühle sind ein Signal, ein Aufruf zur Vorsicht und wurden uns genetisch zum Selbstschutz mitgegeben.
Akzeptieren und analysieren
Deshalb akzeptieren Sie Angst im ersten Schritt als etwas Gutes. Im zweiten Schritt sollten Sie analysieren, warum und wovor genau Sie Angst haben.
- Sind es diffuse Zukunftsängste?
- Vermeiden Sie es, in einem Lift zu fahren und benutzen lieber die Treppe?
- Sitzen Sie im Konzertsaal lieber am Rand, statt in der Reihenmitte?
- Haben Sie Höhen- oder Flugangst?
- Haben Sie Angst vor Schlangen und Spinnen?
Und wenn Sie doch in solche Situationen geraten, rast Ihr Puls? Schlägt Ihr Herz schneller und Sie beginnen zu schwitzen? Das sind eindeutige Zeichen. Angst bedeutet für uns Gefahr und das heißt: Entscheidung zwischen Flucht und Angriff. Deshalb spannen sich die Muskeln an, die Durchblutung wird erhöht, die Verdauung gedrosselt etc.
Treten bei Ihnen Angstgefühle und Panikattacken mit diesen Anzeichen auf, dann sollten Sie diese behandeln lassen. Meistens ist dabei auch der Stoffwechsel im Gehirn gestört. Es kommt zu einem Mangel an Serotonin, einem wichtigen Überträgerstoff. Fachärzte und Apotheker können Ihnen entsprechend wirksame Medikamente auf pflanzlicher oder chemischer Basis empfehlen. Ganz individuell auf Ihren speziellen Fall abgestimmt.
Frauen öfter als Männer?
Angstzustände und Panikattacken sind psychische Störungen, die ganz plötzlich kommen, meist nur wenige Minuten oder eine halbe Stunde dauern. Warum sie auftreten, ist bis heute nicht so recht erforscht. Statistisch sieht es zwar so aus, als ob Frauen öfter betroffen sind (2/3 der sechs Millionen sind Frauen), aber das täuscht.
Es trauen sich nur mehr Frauen, sich fachlichen Rat zu holen. Genau wie die Zahl „sechs Millionen leiden an Angstzuständen“ natürlich nur die bekannten Fälle wiedergibt. Die größere Zahl bleibt im Dunkeln. Vor allem Männer trauen sich nicht, Angst zu zeigen. Angst ist schwach und schwach ist weiblich, – so leider unsere Erziehung.
Erfolgreich behandeln
Phobien, zum Beispiel Flug- oder Höhenangst, Angst vor Schlangen oder geschlossenen Räumen, lassen sich gut und erfolgreich mit Medikamenten und einer begleitenden Verhaltenstherapie, die auch von den Kassen bezahlt wird, behandeln. Die Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent. Bei bestimmten Panikattacken, zum Beispiel vor vielen Leuten eine Rede halten oder in einem Restaurant zu essen, sprechen Fachleute von einer sozialen Phobie. Auch diese ist gut behandelbar.
Andere Angstzustände haben ihre Ursache in schlimmen Erfahrungen wie Vergewaltigung, Entführung, Attentat oder Krieg. In solchen Fällen muss eine psychiatrische Betreuung erfolgen. Es gibt auch chronische Fälle von Angstzuständen. Das sind meistens nervöse, überängstliche und schreckhafte Menschen. Schon der Gedanke, einem Familienmitglied könnte etwas passiert sein, verursacht zitternde Hände und Durchfall.
Leider werden Angst-Krankheiten in allen Formen immer häufiger. Es gibt immer weniger Sicherheit und Geborgenheit, die Lebensbedingungen ändern sich immer schneller, die Zahl der Angst-Auslöser steigt rapide. Die Zeit, sich mit Veränderungen, Trauer und Wut auseinander zusetzen wird immer kürzer.
Scheuen Sie sich deshalb nicht, sich Ihrem Arzt oder Apotheker anzuvertrauen. Ihrer Gesundheit zuliebe.
Artikel geschrieben von Karin Springefeld
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde nur die männliche Form im Text verwendet. Alles gilt auch für die weibliche Form, also Ärztinnen und Apothekerinnen.




