Wacholder
„Der Räucherkönig“
Desinfektion, innere Sicherheit und Konzentration auf das Wesentliche
In den Raunächten von Heiligabend bis Heilig Dreikönig war es früher Tradition, mit dem Duft des Wacholders die Wohnung und das Haus zu räuchern. Machen wir es den Alten nach, und reinigen wir mit dem Rauch der Wacholderbeeren uns und unsere Umgebung.
Der immergrüne Wacholder – mit seinen würzigen und gesunden Früchten – würzt in der dunklen Jahreszeit bis heute die typischen Gerichte wie Wild und Kraut. Früher wurde sein Holz zum Räuchern der Räume und zum Räuchern von Fisch und Fleisch verwendet. Dabei ging es nicht nur um eine Duftvariante, sondern um Reinigung und Desinfektion.
Als ein typischer Vertreter von trockenen Standorten steht der Wacholder wartend, wie ein oft vom Leben gebeugter und gebeutelter Mensch, – bevölkert so, von der Ebene bis ins Gebirge in ganz Europa, Heiden, Magerrasen, lichte Nadelwälder, und bildet die Wacholderheiden.
Typisch für ihn sind die dreizählig, wirteligen Nadeln, mit einem hellen Streifen auf der Oberfläche und den in zwei bis drei Jahren reifenden Scheinbeeren. So findet man im Herbst an einem Strauch grüne unreife und blaue reife Früchte zugleich.
Harntreibend und verdauungsfördernd
Bereits bei den Ägyptern war er wegen seiner desinfizierenden Wirkung bekannt. Ätherisches Öl, Flavonoide, Glycoside, Invertzucker und Harz enthaltend – wirken die Wacholderbeeren
- harntreibend,
- entschlackend,
- antiseptisch,
- desinfizierend,
- hautreizend,
- krampflösend,
- appetitanregend,
- verdauungsfördernd.
Anwendung findet der Wacholder bei
- Harnwegsinfekten,
- Blasenentzündung,
- Bronchitis,
- Appetitmangel,
- Hautleiden,
- Gelenkerkrankungen,
- Rheuma (äußerliche Anwendung),
- Gicht,
- zur Entfettung,
- zur Entwässerung bei Ödemen,
- zum Entschlacken.
Wacholderbeerenkur
Pfarrer Kneipp empfahl zum Entschlacken eine Wacholderbeerenkur – von 5 Beeren täglich auf 15 steigernd – und dann wieder die Menge täglich reduzieren. Die Beeren gut kauen und langsam schlucken. Viel Wasser dazu trinken.
Wacholderbeerentee bei Sodbrennen und Magenbeschwerden
Zubereitung und Dosierung:
1 Teelöffel leicht zerdrückte Beeren in einer Tasse mit kochendem Wasser übergießen und 20 Minuten ziehen lassen. Morgens und abends trinken.
ACHTUNG:
Den Wacholder nicht während der Schwangerschaft und bei akuter Nierenerkrankung anwenden, denn er wirkt stark nierenreizend und menstruationsfördernd.
Der Duft vermindert Stress und Angstgefühle
Der Duft von Wacholder klärt die Gefühlswelt, wirkt ausgleichend bei Stress und Angstzuständen, er vermittelt Schutz, Wärme und Sicherheit. Der würzig-herbe Duft stärkt, reinigt und vertreibt Dunkles.
Er wirkt abgrenzend, kräftigend, aufbauend. Er fördert die innere Sicherheit und die Konzentration auf das Wesentliche. Die Räucherung mit den Beeren reinigt die Atmosphäre und schützt, unterstützt so Sammlung und Meditation.
Der Rauch vermittelt Schutz und Reinigung
Als Lichtträger sind die Wachholderbeeren wichtig in Reinigungsräucherungen. Ebenso wie der Duft vermittelt der Rauch des Wacholders Schutz und Sicherheit, Klarheit und Reinigung, das Getragensein von der Erde und Ruhe in den Stürmen des Lebens, sowie Gelassenheit und Abstand zum Trubel des Lebens. Mit Wacholderbeerenräucherungen wird die Atmosphäre im Haus gereinigt und desinfiziert.
„Nahrung der Götter“
Die Verwendung des Wacholders als reinigendes und wohlduftendes Räucherwerk geht weit in die Menschheitsgeschichte zurück. Als alte magische Pflanze wurde der Wacholder in den meisten Kulturen, wie andere Hölzer auch, zu magischen und rituellen Räucherungen verwendet, um Reisen zu den Pflanzengeistern anzutreten oder um den Kontakt mit den Gottheiten aufzunehmen, denn der Rauch ist bewusstseinsverändernd und fördert die Meditation.
Die Wacholderwälder im Himalaja werden die Wohnung der Götter genannt. Die Tibeter nennen den aus den Hochgebirgswacholder gewonnenen Weihrauch so auch die „Nahrung der Götter“, er wird zu Reinigungszeremonien verwendet.
Im Mittelalter wurde der Wacholderrauch als „falscher Weihrauch“ bei ansteckenden Krankheiten großzügig verteilt, kam auch gegen die Pest, gegen Ungeziefer, gegen Schlangen, böse Geister und „Dunkles“ zum Einsatz.
Wiedergeboren unter dem Schutzstrauch
Als ein Schutzstrauch gegen alle bösen Geister, Hexen, Kobolde, selbst gegen den Teufel diente der Wacholder. Man goss die Milch durch seine Zweige, nahm zum Buttern einen Wacholderstab, der Peitschenstiel war aus Wacholderholz, Pfeifen, Trinkbecher ebenso, im Weinfass waren Wacholderholzstücke. – Und bei der Beerdigung verbrannte man gleich ein paar Wacholderbeeren zum Schutz des Toten.
Bei den Germanen gehörte der Wacholder zu den heiligen Hölzern, um Tote damit zu verbrennen. Der Wacholder war der Zufluchtsort verstorbener Seelen, von ihm konnten sie wiedergeboren werden. Und im Märchen vom „Machandelbaum“ (Wacholderbaum) der Gebrüder Grimm, legt die Schwester das Gebein ihres toten Bruders unter einen Wacholder und verschafft ihm so neues leben.
Sauerkraut und Sauerbraten
Als ein appetitanregendes, windtreibendes, verdauungsförderndes Gewürz dienen die Wacholderbeeren als Aroma zu Sauerkraut, zu Wild, zu Fisch, zu Sauerbraten, sowie zu anderen Fleischgerichten und gehören in jede kräftige Suppe.
Früher räucherte man gerne Fisch über Wacholderholz, da der Wacholder bis auf die Beeren aber inzwischen geschützt ist, findet man diese Räucherspezialitäten so nicht mehr.
Das frische Beerenmus ist ein ausgezeichnetes, intensiv schmeckendes Gewürz. Gesüßt und etwas mit Äpfeln gestreckt, ergibt es eine pikante Marmelade. Aus frischen und auch aus getrockneten Beeren lässt sich ein interessant schmeckender, gesunder Sirup herstellen. Aus einem Mus des Wacholders kann dann eine neue und gesunde Senfvariante entstehen.
In der Aromaküche, im Kochen mit ätherischen Ölen, passt das echte Wacholder-Öl mit seinem frischen, aromatisch fruchtigen Geschmack zu Kraut- und Wildgerichten. Es ist im Geruch typisch Gin und im Geschmack ein Stück luftiger und leichter als die kompakten Beeren, denn die ätherischen Öle sind die Essenz einer Pflanze, sie sind ihr Geist, eben ätherisch.
Gin und Genever
Verschiedener Branntwein ist über und mit Wacholderbeeren destilliert, so zum Beispiel Gin, Genever, und Steinhäger.

Bild zeigt Sauerkraut

Bild zeigt Gin Tonic mit Beeren
Artikel geschrieben von: Karin Springefeld







